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Weihnachten

Weihnachten - „Freude, die allem Volk widerfahren soll"

Krippenfiguren Maria und Joseph mit Jesus. An der Wand über der Krippe hängt ein Kreuz.

Nur noch wenige Tage bis zum populärsten Fest der Christenheit. Kirchen, in denen sich sonntags vielleicht nur 20 – 30 Personen versammeln (an den langen Wochenenden zu Ostern und Pfingsten oft auch nicht viel mehr) platzen am Heiligen Abend aus allen Nähten. Wie kommt das? Offenbar werden hier elementare Dimensionen des Menschseins berührt, Themen und Emotionen, Erinnerungen und Sehnsüchte. Und viele gönnen es sich, dem wenigstens einmal im Jahr Raum zu geben. 

Das wird verständlich, wenn wir uns die biblischen und religionsgeschichtlichen Hintergründe von Weihnachten bewusst machen.

Im Neuen Testament erzählen die beiden Evangelien Matthäus und Lukas auf je eigene Art von der Menschwerdung Gottes in einem neugeborenen Kind: Irgendwo unterwegs zwischen Wohnungslosigkeit und Flucht vor einem Diktator. Angekündigt von selten so direkt erkennbaren Boten Gottes, den Engeln. Besucht und bewundert von Bethlehems Hirten (Lukasevangelium) und orientalischen Stern-deutern (Matthäusevangelium). - Mancher stößt sich dabei an der Erzählung von der Jungfräulichkeit Marias. Ich persönlich habe relativ wenig Mühe mit dieser Art „künstlicher Befruchtung" durch den Heiligen Geist. Viel unbegreiflicher und unvorstellbarer ist für mich das Geheimnis, dass der ewige, unsichtbare, den unendlichen Kosmos umfassende Urgrund (Gott) sich in die Begrenztheit von Raum und Zeit hinein begibt und sich in einer geschichtlichen Person (Jesus) den Menschen vorstellt.

Selbstvorstellung Gottes

Diese weihnachtliche Selbstvorstellung Gottes sagt: „Ich verzichte auf meine Allmacht und begegne euch auf Augenhöhe". - "Immanuel , d.h. Gott mit uns" wird Jesus deshalb im Matthäusevangelium genannt. Und zugleich wird deutlich, dass dieser

Gott mit uns die Dunkelheiten, den Unfrieden, das Leid, die Ohnmacht genau dadurch überwindet, dass er selbst sich ihnen schutzlos ausliefert. Das Foto von der Krippe in Saas Fee zeigt das deutlich: Über der Krippe steht schon das Kreuz. Das Zeichen, dass Gott fortan in seiner Liebe auf Gewaltmaßnahmen verzichtet. So blinzelt in dieser Krippe göttliches Licht herein, das an den brennenden Dornbusch bei Mose erinnert. Gott sagt: „Ich bin da! Jetzt und immer!"

Diese Botschaft hat aber die frühe Christenheit dazu veranlasst, das Weihnachtsfest nicht etwa an dem irgendwie recherchierten Geburtstagstermin Jesu zu feiern, sondern auf einen zutiefst symbolischen Zeitpunkt im Jahr zu verlegen: Die Wintersonnwende. In der griechischen und römischen Antike das Geburtsfest des Sonnengottes. Im keltischen und germanischen Winter die tiefste Dunkelheit der bedrohlichen „Rauh-Nächte", in denen böse Geister ihr Unwesen trieben.

Das Bild der einen „Weihe-Nacht" in der Jesus Christus geboren wurde, in der er als das Licht der Welt in die Dunkelheit kam, war die befreiende Antwort auf die Angst der Germanen vor ihren dämonischen Nächten. Was für eine Befreiung! Sie brauchten nicht mehr selbst mit Aufbietung aller erdenklichen Rituale ihre Nächte zu verzaubern, das Dunkle zu bannen und das Glück herbei zu beschwören. Christus, der „Heil und Leben mit sich bringt", hat ihre Nacht verwandelt.

Auch wenn wir es heute vielleicht anders formulieren würden. Die Erfahrung von dämonischen Nächten kennen die meisten allzu gut. Und auch vergebliche Versuche, das Dunkle zu bannen. Da öffnet Weihnachten mehr als nur einen Spalt, durch den Licht aus der Ewigkeit in unsre Nächte fällt. Und das schutzlose, die Dunkelheit fürchtende Kind tief in unsrer Seele beginnt zu lächeln.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen „frohe" Weihnachten.

Ihr Gerold Vorländer