Glaube Hoffnung Liebe³

Hoffnungsgeschichten

Ein Dach über der Seele

„Gästeandacht“ in der Winter-Notübernachtung. Alle sind mit reichlich Suppe und Obstsalat gesättigt. Viele von denen, die kaum oder kein Deutsch verstehen, ziehen sich auf ihre Lager zurück. Aber etwa die Hälfte der Gäste bleibt an den Tischen sitzen und lauscht auf die Andacht der jungen Freiwilligen. Es geht um das Gleichnis vom verlorenen Sohn und dem liebenden Vater, der „uns nicht übelnimmt, wenn wir etwas falsch gemacht haben“. Johanna B. (Name geändert), regelmäßig zu Gast hier, meldet sich nachdrücklich und sagt dann: „Wenn Gott uns wat übelnehmen würde, hätten wir alle keine Changse. Stattdessen sorgt er dafür, det wir ´n Dach überm Kopp kriejen und freundliche Menschen uns vasorjen.“ Da ist etwas angekommen von der guten Nachricht, die nicht nur ein Dach überm Kopf, sondern auch über der Seele schenkt.

Perspektivwechsel

Zu Ostern und zu Weihnachten fühlt sich der Hauptbahnhof: Die Stadtmission feiert Gottesdienst

Zufällig schlenderte Samir K. (Name geändert) am Ostersamstag am Hauptbahnhof vorbei. Der aus dem Iran stammende Mann wundert sich über Menschenauflauf und bleibt stehen. Was er sieht, ist ein Gottesdienst, der jedes Jahr zu Ostern von der Berliner Stadtmission im Hauptbahnhof gefeiert wird. Die Offenheit und die Fröhlichkeit, die der Gottesdienst und seine Besucher ausstrahlten, faszinieren ihn. Er fragt nach dem Organisator und wo er mehr darüber erfahren könne. In den darauf folgenden Tagen geht Samir zum Zentrum am Hauptbahnhof in die Lehrter Straße. Er besucht das Café InneHalt und spricht mit Schwester Inge. Er erzählt ihr von seinem Wunsch, mehr über den christlichen Glauben erfahren zu wollen. Schwester Inge hört ihm zu und macht ihm Mut, das Gespräch mit Gott aufzunehmen. Seither besteht der Kontakt und Samir fühlt sich aufgenommen.

Heimat geben

"Herman aus dem Grunewald" wurde er genannt, weil Hermann nach einem Bruch mit seinem bürgerlichen Leben im Grunewald lebt. Er steht im Morgengrauen auf und geht früh schlafen. Der Kältebus besucht ihn regelmäßig, versorgt ihn mit Kaffee und Gesprächen, doch Hermann möchte im Wald bleiben.

"Das ist meine Heimat, wo ich zuhause bin." Hermann lebte 22 Jahre auf der Straße und hat Heimat auf dem Zentrum am Hauptbahnhof gefunden.

Als er aber nach einer bitterkalten Februarnacht erwacht, macht er sich auf zur Bahnhofsmission am Zoo. Dort muss man einen Krankenwagen rufen, denn Hermann geht es sehr schlecht. Danach kommt er ins Übergangshaus in das Zentrum am Hauptbahnhof, wo wohnungslose Männer und Frauen ein vorübergehendes Zuhause und kontinuierliche Hilfe bekommen. "Der bleibt keine Stunde", so das Ur teil der Ämter. Doch Hermann bleibt. Wer 22 Jahre auf der Straße lebte, braucht Zeit und die bekommt er. Ein Jahr später bezieht Hermann eine Wohnung mit Balkon im "Betreuten Wohnen" und nennt das Zentrum im Hauptbahnhof "Heimat".