Zum Geburtstag eine Kaffeerösterei
20 Jahre martas Hotel Lutherstadt Wittenberg
Es duftet nach frischen Bohnen, als Lukas Brandt die Klappe zum Kaffeeröster öffnet. Fünfzehn Kilo Kaffee purzeln hinaus. Im November hat im martas Hotel Lutherstadt Wittenberg die erste Kaffeerösterei der Region eröffnet – pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum des Hauses. Seitdem werden dort, inmitten der Wittenberger Altstadt, jede Woche mehr als 100 Kilo unterschiedlicher Bohnen veredelt. Angeboten werden sie zukünftig in den Hotels und Gästehäusern der martas-Kette und in der Kaffeerösterei selbst. Sie ist zugleich eine buchbare Eventlocation für 40 Personen.
Für Lukas Brandt, der im martas Hotel Wittenberg zum Restaurantfachmann ausgebildet wurde, ist der 170 Quadratmeter große Raum zum zweiten Wohnzimmer geworden. In seiner Freizeit experimentiert der 22-Jährige dort und hat so die „martasMischung“ kreiert. Sie besteht aus Bohnen aus Kolumbien, Brasilien, Guatemala und Honduras. „Das ist ein Kaffee, mit dem man gut in den Morgen starten kann, nicht zu stark, aber doch kräftig im Geschmack“, erklärt Lukas Brandt.
Anders die Eröffnungsbohne, eine harmonische Arabica-Mischung mit Kaffee aus Kolumbien und Uganda. Zuhause mixt Lukas Brandt auch Cocktails mit Kaffee – wie Espresso-Cola oder Tonic mit Espresso. Für ihn ist mit der Eröffnung der Kaffeerösterei ein Traum in Erfüllung gegangen. „Ich hatte vor, mich nach meiner Ausbildung in Cafés zu bewerben“, verrät er. Doch die martas-Gruppe bietet gut ausgebildeten jungen Menschen immer wieder neue Perspektiven. „Als wir erfahren haben, dass das Ladenlokal frei wird, haben wir ihm das Angebot gemacht, zu bleiben und zusammen mit seiner Kollegin Constanze Romahn die Verantwortung für den Aufbau und den Betrieb zu übernehmen“,erklärt Hoteldirektorin Selina Tylsch.
Sie leitet das Haus mit den 312 Betten in 158 Zimmern. Seit 20 Jahren bietet es seinen Gästen immer wieder Abwechslung: „2017 haben wir das Restaurant von Bora im Lutherhaus eröffnet“, erzählt sie. Schon vor fünfhundert Jahren wurden in dem Haus Gastfreundschaft und gutes Essen großgeschrieben: Ab 1532 luden Martin Luther und seine Ehefrau Katharina von Bora dort regelmäßig zu Tisch.
„2018 haben wir die gesamte vierte Etage kernsaniert, 2022 dann unser Hotelrestaurant renoviert“, erinnert sich Selina Tylsch. Auch der Saunabereich wurde neu gestaltet und ein Jahr später der Hofgarten modernisiert.„In diesem Jahr bauen wir eine Prozessküche ein“, verrät sie. Das vereinfacht die Abläufe in der Küche und Auszubildende können schon früh den Umgang mit effizienten, hochmodernen Geräten lernen.
Auch der elektrisch betriebene Röster ist nagelneu. Bevor die Wittenberger:innen nachmittags auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen vorbeikommen, läuft das Gerät auf Hochtouren. Dann steht Lukas Brandt an dem Computer, der mit dem Röstautomaten verbunden ist. „Damit kann ich die Luft- und Bohnentemperatur während des Röstvorgangs überwachen“, erklärt er.
Kaffeebohnen zu rösten, ist eine Kunst. Restaurantfachfrau Constanze Romahn und Lukas Brandt haben sich speziell dazu weitergebildet. Wenn die beiden die noch unbearbeiteten Kaffeebohnen in den Röster geben, sind die Bohnen noch grün und riechen ein wenig nach Heu. „Gemessen wird dann beim Einlass der kälteste Punkt der Bohnen, das ist der so genannte turning point“,weiß Lukas Brandt. Nach dem er die Bohnen in den großen Trichter über dem Röstautomaten gekippt hat, lässt er sie auf Knopfdruck bei 200 Grad tanzen.
„Neun Minuten später haben die Bohnen bereits eine braune Färbung“, erklärt Constanze Romahn. Nachdem sie zehn Minuten geröstet wurden, ist ein Knacken zu hören. „Das ist der so genannte first crack“, weiß sie. An diesem Punkt muss einer der beiden eine erste Probe ziehen und nachschauen, ob die Bohnen gleichmäßig geröstet wurden und schön braun sind. Constanze Romahn erklärt: „Anschließend kühlen die heißen Bohnen in einem großen Sieb ab, bevor wir sie verpacken oder mahlen, damit unsere Kunden den Kaffee frisch verpackt mit nach Hause nehmen oder direkt hier genießen können.“ Denn die Kaffeerösterei ist auch ein neuer Ort der Begegnung.
Die beiden Lehrerinnen Birgit Rieseler und Verenina Kohnert wollen ihn ausprobieren. „Hervorragend“ so ihr einstimmiges Urteil. „Uns gefällt der Duft nach frisch gemahlenem Kaffee, wenn man hier sitzt“, sagt Birgit
Rieseler. Verenina Kohnert lobt den leckeren Kuchen und ergänzt: „Ich mag es auch sehr, wenn wir im von Bora-Restaurant Familienfeste feiern. Da möchte man am liebsten gleich am nächsten Tag wiederhin.“ |BB