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Aktuelles

08.06.2017

Lehrter Plus - WG nach der Notübernachtung

Das Leben eines obdachlosen Menschen ist fast immer in großer Unordnung. Um den Weg in ein geregeltes Leben antreten können, muss zunächst eine Grundlage geschaffen werden. Im Projekt „Lehrter Plus“, das nach der größten Notübernachtung der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße 68 benannt ist, können obdachlose Menschen für einen Zeitraum von acht Wochen in einer Wohngemeinschaft leben. Sie bekommen praktische Hilfe beim "Entrümpeln" ihres Lebens und persönliche Ermutigung für erste Schritte.

Mit dem Ende der Kältehilfe Ende März scheint das Thema Obdachlosigkeit erst einmal wieder ad acta gelegt zu werden. Es wird wärmer draußen, die Lebensgefahr scheint nicht mehr so akut. Die Wohnungslosen aus der Notübernachtung kehren in ihr "normales" Leben zurück. Zurück auf die Straße. "Lehrter Plus" setzt genau nach der Kältehilfe-Zeit an, will Menschen den Ausstieg aus ihrem Leben und den Einstieg in ein "geregeltes" Leben weg von der Straße anbieten.

Vertrauen ist die Basis

Oft beginnt es damit, wieder einen Personalausweis zu beantragen – Grundvoraussetzung, um am Hilfesystem teilzuhaben. Alte Schulden müssen angegangen, manchmal zerrüttete Familienverhältnisse in den Blick genommen werden. Ein Ausstieg aus der Sucht muss oft vorbereitet, gute Zukunftsperspektiven können in Gesprächen entwickelt werden. Derzeit leben sieben Männer in der WG, maximal zehn Personen können aufgenommen werden. Ann-Kristin Pirschel und Helge Riesberg, die beide im Winter im Leitungsteam der Kältenotübernachtung waren, leiten „Lehrter Plus“.

Porträt von Helge und Ann-KristinAnn-Kristin und Helge

 

Aus eigener Anschauung weiß Helge Riesberg (Lesen Sie seine Geschichte), was ein Mensch in einer hoffnungslos scheinenden Lage braucht. Er führt mit den Hilfesuchenden Gespräche, entwickelt Ziele und Pläne, gibt Rat. "Die Basis ist Vertrauen", weiß er. Auf dieser Grundlage kann Hoffnung wachsen. Die Angst, Probleme anzugehen, schwindet. "Lebensbejahende Gespräche", sagt Helge, "sind unglaublich wichtig, wenn ein Mensch mutlos ist."

Kleine Schritte

Blick auf den Esstisch

In dem Projekt "Lehrter Plus" geht es besonders auch darum, dass die Menschen wieder soziale Kontakte knüpfen und ein Gefühl dafür bekommen, dass sie selbst ihr Leben ändern können – und müssen. Zunächst wird gemeinsam ein erreichbares Ziel formuliert, dann eine verbindliche Vereinbarung getroffen. Helge Riesberg betont, dass gerade die vermeintlich kleinen Schritte der richtige Start in ein neues, gutes Leben sind. Und die Voraussetzungen sind gut: „Die Menschen, die hierher kommen, wollen wirklich Hilfe."

Schon 2010 und zuvor wurde das Projekt erfolgreich durchgeführt. Neun von den damals zehn Bewohnern leben nun selbstständig in Wohnungen und in einem geregelten Alltag. Für einige Menschen, die zum Ende der Kältehilfe wieder auf der Straße leben, ist es ein perfekter Zeitpunkt diesen Schritt "Lehrter Plus" zu wagen.

Informationen und Unterstützung für Lehrter Plus