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Aktuelles

14.07.2017

Schließung der Traglufthalle für Flüchtlinge

Die Traglufthalle für Flüchtlinge der Berliner Stadtmission in der Kruppstraße in Moabit schließt am 24. Juli 2017. Da viele Familien bis zu zwei Jahre dort lebten und ihre Kinder auch zur Schule gehen, wurde der Schließtermin auf das Ende des Schuljahres gelegt.  

Im November 2014 wurde die Traglufthalle binnen zweier Wochen aufgebaut und komplett eingerichtet. Damals wurde mit einem Aufenthalt der ankommenden Flüchtlinge von wenigen Tagen gerechnet.  Als Pilotprojekt hat die Berliner Stadtmission in der Halle Bereiche für gemeinsame  Aktionen sowie ein System entwickelt für einen möglichst privaten Rückzugsort. Mit Holzwänden, an drei Seiten komplett geschlossen, wurden jeweils Sechs-Bett-Zimmer gebaut, die mit einem Vorhang für Privatsphäre sorgten. Nach diesem Muster wurden in der Folge bundesweit Traglufthallen aufgebaut und ausgestattet.

Innenansicht der Traglufthalle

Durch die Umstände, dass eine hohe Zahl von Flüchtlingen in Deutschland Zuflucht fanden, verlängerte sich die Aufenthaltsdauer der Menschen in der Traglufthalle zum Teil erheblich.
In der Traglufthalle der Berliner Stadtmission haben 33 Nationalitäten, von Albanien bis Vietnam, ein erstes Zuhause gefunden.

Die allerersten Bewohner kamen aus dem Süd Sudan. Es war eine Frau mit ihrem in der Charité geborenen Baby. Während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus waren ihre älteren Kinder in eine Pflegefamilie gebracht worden. Nach der ersten Unsicherheit über den Verbleib ihrer Kinder und geschwächt durch die Flucht und Geburt konnte ein erstes Happy End in der Notunterkunft "gefeiert"  werden.

Außenansicht der Traglufthalle

Ca. 23.000 Menschen haben in der Traglufthalle gelebt. Mit 22 Monaten wohnte ein Bewohner den längsten Zeitraum in der Kruppstraße. Der älteste Bewohner war 83 Jahre alt, die größte Familie hatte acht Mitglieder und in der Zeit sind 20 Babys geboren. Für viele Kinder war die deutsche Sprache die erste Sprache, die sie gehört und gelernt haben.

Mit einem großen Aufgebot an haupt-und ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich intensiv den Menschen gewidmet haben, konnte für die oft traumatisierten Flüchtlinge eine  Atmosphäre des Willkommens und Angenommenseins mit viel menschlicher Zuwendung geschaffen werden. Kinderprogramm, Sport, eigene Heimat-Gerichte kochen, kulturelle Höhepunkte wie ein Konzert der Deutschen Oper oder der  Besuch von Hollywood-Star Susan Sarandon in der Notunterkunft für Flüchtlinge der Berlin Stadtmission in Moabit brachten Abwechslung, Aufmerksamkeit und meist große Freude für Gäste wie Mitarbeitende. Hunderte ehrenamtliche Mitarbeiter, teils aus der unmittelbaren Nachbarschaft, aber auch aus dem Ausland, brachten unzählige Talente und Ideen ein und viel Zeit mit. Sie alle haben großen Anteil daran, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel  formulierte und um die Welt ging: “Wir schaffen das.“

Wir wollen weitergehen

Stadtmissionsdirektor Joachim Lenz: "Wir sind 2014 vom Senat gebeten worden  zu helfen und Flüchtlinge den Winter über zu versorgen. Als Christen sehen wir uns in der Pflicht mitanzupacken und Verantwortung zu tragen. Aus einem halben Jahr sind fast drei Jahre geworden.  Aus drei bis fünf Aufenthaltstagen sind teilweise viele Monate geworden. Aus unserer Sicht ist diese Unterbringung für diese lange Verweildauer nicht geeignet. Jetzt gehen wir neue Wege und begleiten Geflüchtete auf ihrem weiteren Weg in Berlin Fuß zu fassen und für sich selbst zu sorgen. Für jeden Einzelnen hat sich der Einsatz gelohnt und wir sind dankbar für jede Begegnung. Bis hierher haben wir es geschafft."