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Aktuelles

07.02.2019

"Warten, Geduld haben, suchen"

In Berlin gibt es verschiedene Hilfen für Obdachlose. Es gibt Notübernachtungen, Tagesstätten, den Kältebus und vieles mehr! Hunderte Betroffene nehmen die Angebote jeden Tag wahr, sie wissen ganz genau, zu welcher Zeit sie an welchem Ort sein müssen, um Hilfe zu bekommen. Sie haben die Wege im Kopf, brechen jeden Tag aufs Neue auf.

Doch nicht jeder Mensch, der auf der Straße lebt, hat die Möglichkeiten diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nicht jeder kann noch einen klaren Gedanken fassen oder lange Strecken gehen. Die psychische, seelische und körperliche Gesundheit ist gezeichnet von den Jahren auf der Straße.
Für die Obdachlosen, die selbst nicht in der Lage sind, Orte der Zuflucht aufzusuchen, gibt es die Mobilen Einzelfallhelfer der Berliner Stadtmission.

"Wenn Gott keinen Menschen aufgibt, steht es dem Mensch auch nicht zu."

Das ist das Motto der Mobilen Einzelfallhilfe, wenn sie sich berlinweit auf den Weg und die Suche machen, um hilfsbedürftige obdachlose Menschen ausfindig zu machen.

vier Mitarbeiter*innen der Mobilen Einzelfallhilfe unterwegs

Ein FSJler begleitete den „MEH“ Markus eine Fahrt lang und schrieb:

„Er berichtet mir von einem seiner Klienten, mit dem er schon eine ganze Weile zu tun hat. Am Ende seiner Arbeit hatte er es so weit geschafft, den Klienten in einer für ihn passenden psychiatrischen Einrichtung unterzubringen.
Die MEH‘s arbeiten oftmals mit ‚Schwerstfällen‘, häufig ist die letzte Chance, Menschen von der Straße zu kriegen, der Weg in psychiatrische Einrichtungen. Seien es besondere Altenheime, betreutes Wohnen oder psychiatrische Kliniken. 
Als Markus sich das letzte Mal in der Einrichtung nach seinem Klienten erkundigt hatte, erfuhr er, dass der Herr sich anscheinend selbst entlassen hat. Verwundert frage ich, wie so etwas möglich ist. Seine Antwort darauf war, dass sich wohl niemand darum gerissen hätte, ihn lange dazubehalten. Ich denke mir: ‚Wenn selbst die Profis ihn nicht aushalten, was soll ich dann heute tun?‘. 
Wir fahren verschiedene Orte ab, an denen sich Markus Klient früher oft aufgehalten hat. Wir durchkämmen im Nieselregen kleinere Waldstücke, fahren ein Industriegelände ab und fragen an einem Bahnhof bei Passanten und Ladenbesitzern nach. Wir finden genau nix, Markus gibt einigen Leuten seine Karte und nach 3½  Stunden sind wir wieder am Bahnhof Zoo.“

Eine obdachlose Person schläft auf Sofa

Die Mobile Einzelfallhilfe entstand, weil obdachlose Menschen starben, die in ihrer Hilflosigkeit langsam so unsichtbar wurden, dass niemand ihr Leid bemerkt hatte.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der "MEH" wollen weitere Tode vermeiden, sie wollen Menschen am Abgrund an vorhandene Hilfen heranführen. Menschen helfen, die von der Gesellschaft scheinbar aufgegeben wurden. Menschen, die sich selbst aufgegeben haben.
Ihre Arbeit braucht Zeit. Zeit, Vertrauen zu fassen, Zeit ins Gespräch zu kommen und Zeit zu helfen. Durch diese Zeit soll ein Gefühl für selbstbestimmte Perspektiven entstehen. Ganz praktisch wird beispielsweise bei der Beantragung eines Personalausweises oder der Vermittlung in passende Einrichtungen geholfen und im Anschluss Kontakt gehalten.

Beratung an einer Bushaltestelle

„Obwohl ich das Gefühl habe, Markus nicht wirklich in Aktion erlebt zu haben, bin ich doch sehr beeindruckt von der Arbeit, die er leistet. Denn gerade die Geduld und dass er diesen Menschen nicht aufgibt, ist der Kern seiner Arbeit. Geduld und die nötige Aufmerksamkeit, die viele von seinen ‚Klienten‘ nicht mehr kennen.“