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10. Mai 2013

Foto von TobiasTobias arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger bei der Berliner Stadtmission.

Erlebnisse, die ich nie vergessen werde

Ein ganz persönliches Fazit von Tobias, für ein Jahr Freiwilliger in der Berliner Stadtmission und Mitarbeiter in der Kältehilfe

Anfang Mai, die Sonne lacht von einem traumhaft blauen Himmel, die Temperaturskala zeigt fast schon sommerliche Werte an. Jede vor kurzem noch verlassene Uferwiese entlang der Spree ist jetzt absolut begehrt und noch bis spät in die milde Nacht wird getanzt, ausgelassen gefeiert oder einfach das neu gewonnene Frühlings-Flair genossen. Cafés, Restaurants und Eisdielen erleben jetzt den lang ersehnten Ansturm, Musik hallt durch die abendlichen Gassen, ein neues Lebensgefühl erweckt die Stadt.

Kaum zu glauben, dass vor gut einem Monat noch die Verlängerung der Kältehilfe-Saison ausgerufen wurde, als der Winter und die frostigen Temperaturen noch immer nicht weichen wollten, als es immer noch Grund zur Sorge gab, wenn eine neue Nacht anbrach und draußen auf den Straßen Berlins Obdachlose noch im April die klirrende Kälte fürchten mussten. Jetzt ist diese Zeit endgültig und endlich vorbei, keine Spur mehr von vereisten Straßen oder gar Schneemassen. Zeit, zurückzuschauen auf einen vor allem langen Winter, auf Zahlen, die diese Saison 2012/13 kennzeichnen.

70.918 Übernachtungen wurden zwischen November und Mitte April in ganz Berlin in Notübernachtungen und Nachtcafés gezählt. Was für eine überwältigende Zahl!  Davon stemmte die Berliner Stadtmission mehr als 33.000, also knapp die Hälfte aller Übernachtungen in Berlin. Wieder einmal waren die Übernachtungsmöglichkeiten in unserer Stadt überfüllt, es wurden also deutlich mehr Übernachtungen gezählt, als überhaupt Plätze angeboten wurden. Und wieder einmal waren wir sehr auf Spenden angewiesen; waren und sind dankbar für viele gütig gebende Berliner und auch auswärtige Spender, die einen wichtigen Beitrag zu unserer Kältehilfe leisteten. Vielen, herzlichen Dank dafür!

Doch kann man dieses gute halbe Jahr allein in Zahlen ausdrücken und damit ein Bild vermitteln, wie groß die Not der Menschen wirklich ist, die hier vor Ort Abend für Abend ankamen, Wärme suchten, nicht mehr zum Leben hatten, als das was sie in ihrem Rucksack und ihren Taschen bei sich trugen? Können Sie sich das vorstellen;  Ihr gesamtes Hab und Gut ist verteilt auf Jacken-, Hosentaschen und in einer Plastiktüte? 

Hinter den Zahlen stehen auch Persönlichkeiten mit Geschichten, Schicksalen und Leidenswegen. Menschengeschichten, die mir persönlich ans Herz gingen:

Ein junger Mann, der Gott in seinem Leben fand und innerhalb weniger Wochen vom ehemals drogenabhängigen Wohnungslosen zum begeisterten, motivierten Christen wurde und eine Arbeitsstelle fand. Ein älterer Mann, der in Erinnerungen schwelgend von Autofahrten nach Pakistan und anderen großen Abenteuern erzählte und seinen Humor trotz einiger Lebensniederlagen nicht verloren hatte. Auf der anderen Seite aber auch Gäste, die sich Lebensläufe erfanden, um irgendwie eine Erklärung für ihre missliche Lage zu haben, Gäste, die völlig alkoholisiert oder mit Drogen vollgepumpt eintrafen, Menschen auf der Straße, die sich nicht überwinden konnten, in unseren Kältebus einzusteigen, weil sie die Scham nicht aushalten wollten, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Menschen, die sich ganz unten angekommen fühlten.

Hinter den Zahlen stehen Erlebnisse, die mich dankbarer werden ließen für mein eigenes Leben, für all die Dinge, die sonst so wahnsinnig selbstverständlich waren. Erlebnisse, die meinen Blick fokussierten auf die wirklich wichtigen Themen im Leben, die meinen persönlichen Horizont erweiterten

Der Winter ist nun vorbei, unsere Gäste leben weiter, vielleicht nicht mehr in Angst vor dem Kältetod, aber weiter in großer Unsicherheit und meist unbeachtet von der Gesellschaft, distanziert, einsam und allein in all ihrer Perspektivlosigkeit.

Wir als Berliner Stadtmission wollen versuchen, weiter an diesen Menschen dranzubleiben. Eine mobile Einzelfallhilfe ist nun eingerichtet, die Wohnungslose in den Sommermonaten weiter unterstützen soll. Menschen, die sich sorgen, die ein offenes Herz für die obdachlosen Mitmenschen haben, braucht es jetzt nicht weniger als im strengen Winter.

Tobias 

 

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