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24. Dezember 2012

Stille Nacht, heilige Nacht…

 

Da ich hauptberuflich als Leiter einer Senioren-Residenz tätig bin, begann für mich der Heiligabend als ein besonderer Arbeitstag – morgens mit einer Andacht in unserem Hausrestaurant in der Schwyzer Straße. Danach wünschten meine Pflegedienstleiterin und ich allen unseren Bewohnern ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest und verteilten Weihnachtsgeschenke an Mitarbeiter und Bewohner. Leider waren nicht alle Bewohner froh und glücklich, denn zu Weihnachten verspüren die Menschen doch stärker als sonst den Verlust geliebter Angehöriger und fühlen sich einsam. Tröstende Worte, geduldiges Zuhören und Gespräche halfen dann doch ein bisschen über die Einsamkeit hinweg. Am Nachmittag ging es dann erst nach Hause, schnell noch ein paar Geschenke einpacken und liegengebliebene Dinge erledigen und schon drängte die Zeit und ich musste mich auf den Weg machen, um meine Beifahrerin Jenny für diese Nacht abzuholen. Jenny hatte Kartoffelsalat mit Würstchen vorbereitet und wir stärkten uns, bevor wir uns auf den Weg in die Nacht machten. Im Saal der Berliner Stadtmission am Hauptbahnhof näherte sich die Weihnachtsfeier langsam ihrem Ende. Jenny und ich hatten den Kältebus bereits mit Tee, Kaffee, Schlafsäcken und Weihnachtstüten beladen. Die Weihnachtstüten waren von den Senioren der Schwyzer Straße, gemeinsam mit türkischen Jugendlichen einer Freizeitstätte und sozial benachteiligten Kindern mit allerlei Leckereien in einem gemeinsamen Spendenprojekt gebastelt und gefüllt worden.

Ganz so still, wie in dem bekanntesten aller Weihnachtslieder, war es in der Heiligen Nacht am 24. Dezember in Berlins Straßen dann doch nicht. In dieser Nacht fuhren wir viele Schlafplätze obdachloser Menschen an, die wir aber meist verlassen vorfanden. Ein Zeichen dafür, dass die Menschen die Orte aufgesucht hatten, an denen sie den Heiligabend gemeinsam mit anderen Menschen verbringen konnten. Aber es gab auch Menschen, von denen wir wussten, dass sie den Heiligabend auf der Straße verbringen würden. So trafen wir erwartungsgemäß "Birgit" und "Stephan“ auf ihrer Bank im Wedding an. Die beiden berichteten davon, dass ihnen nette Menschen ein paar Leckereien zugesteckt hatten. Wir versorgten das Paar ausreichend mit Heißgetränken und den mittlerweile obligatorischen Weihnachtstüten. Nachdem wir noch ein bisschen geplaudert hatten, wünschten wir den beiden eine gute Nacht und machten uns wieder auf den Weg. Jenny fand es sehr beeindruckend, dass die Menschen, die wir in dieser Nacht versorgten keine Dinge „bunkerten“, sondern für den Moment mit dem zufrieden waren, was wir ihnen anbieten konnten.

Wir schauten unter Brücken, leuchteten unter Treppen und hinter Büschen – wir taten das, was das biblische Leitwort der Stadtmission sagt: „Suchet nach dem Besten der Stadt und betet für sie zum Herrn“. Auch wenn wir in dieser Nacht weniger Menschen persönlich als gewohnt antrafen, so hatten wir eine Vielzahl berührender Begegnungen und waren auf der Suche nach den Menschen, nach denen sonst vielleicht niemand sucht. Auf der Suche, damit in diesem Winter und in dieser Nacht niemand verloren geht. Wir können nur beten, dass es uns gelungen ist, keinen Menschen zu übersehen und aus den Augen zu verlieren.

So, wie wir auf die Schwächsten unserer Stadt achteten, hatten auch aufmerksame Mitmenschen in dieser Nacht die Augen offen und riefen uns auf dem Kältetelefon an. Einem jungen Mann war sehr an dem Wohlergehen eines obdachlosen Menschen gelegen, den wir als Rudi kannten und der an einer stark befahrenen Straße im Prenzlauer Berg sein Lager aufgeschlagen hat. Ich erklärte dem Anrufer, dass wir Rudi kennen und er sich zwar von uns versorgen lässt, aber nicht bereit ist, eine Notunterkunft aufzusuchen. Mittlerweile standen wir mit unserem Kältebus gegenüber Rudis Schlafplatz und ich konnte den Anrufer quasi „Live“ von unserer Versorgung berichten und ihn beruhigen, dass es Rudi gut geht.

Womit sich für mich persönlich das Wesen der Weihnacht in dieser Heiligen Nacht erfüllt hat – dass Menschen aufeinander aufpassen, dass niemand vergessen wird und dass Menschen füreinander da sind.

Dirk Trost, Ehrenamtlicher Kältebusfahrer

 

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