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5. Dezember 2012

Was hat Wert?

Montag Abend, kurz vor Acht, ich bin spät dran, schnell den Schal umgeworfen, die Winterjacke angezogen, und ab geht`s aus der schön kuschligen, und doch so selbstverständlichen Heizungswärme nach draußen.

Die Kälte schlägt mir entgegen.´Bei solchen Temperaturen sollte man sich normalerweise nicht aus dem Haus wagen, besonders nicht in tiefster Dunkelheit`, denke ich. Und was ist wenn manche nicht anders können, keine andere Möglichkeit haben, das harte Los gezogen haben, Wind und Wetter mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert zu sein? Was ist, wenn die täglichen Alltagsprobleme mancher da anfangen, wo unsere schon lange aufhören, wo wir uns gar keine Sorgen machen müssen, und der bange Blick auf die Wettervorhersage nicht die Angst vor einem verregneten Familienurlaub bedeutet, sondern die Sorge um das eigene Leben??

Ich stapfe duch den frisch gefallenen Schnee, ziehe den Reisverschluss meiner Jacke ganz nach oben, knöpfe jeden Knopf zu, den man zuknöpfen kann, versuch`s mir einigermaßen angenehm zu machen für die paar Schritte, die ich rüber in die Notübernachtung brauche. Es ist mein Job, mein freiwilliger Job, nicht mehr und nicht weniger. Es ist nicht mein unausweichliches Schicksal, niemand zwingt mich dazu, meine Lebenssituation ist alles andere als aussichtslos. Es ist mein Herzensanliegen, es ist mein Wunsch, mich für die Wohnungslosen einzusetzen, kein Zwang, jetzt die Kälte in Kauf zu nehmen, aber es ist eben eine Aufgabe auf Zeit, es ist eine Arbeit, die ich als Privileg ansehen kann, weil ich so wichtige Erfahrungen mache und machen werde, doch aus der ich zu jeder Zeit aussteigen kann, Freiheit habe, über mein Leben zu entscheiden.

Für unsere Gäste dagegen ist der ganz normale Alltag weniger ein Privileg, mehr ein täglicher Kampf, momentan vor allem mit den Temperaturen, aber auch mit einem immer neu leeren Magen und wenig Grund zur postiven Zukunftsperspektive.

Für unsere Gäste dagegen gibt`s eben nicht diese Freiheit, auszusteigen, an anderer Stelle anders zu leben, einfach neu anzufangen.

 

Gegen 1 Uhr, nach getaner Arbeit, sinke ich müde ins Bett, geschafft und doch glücklich schlafe ich ein, in einem warmen, geräumigen Zimmer. Vielleicht, aus einer anderen Perspektive gesehen, nicht gerade der höchste Standard, nicht unbedingt das, was irgendjemand in Ansätzen als luxuriös bezeichnen würde, aber heute Abend ist es für mich Luxus!! Ich kann so dankbar sein, so reich zu sein an Dingen, die uns wohl nie groß etwas bedeutet haben und auch vielen nie etwas bedeuten werden, aber vielleicht lehrt einen diese Arbeit, endlich mal einen Wert zu sehen in einem Kissen, einer dicken Decke, frischer Wäsche, ja einem Dach über dem Kopf!!!

Tobias, Freiwilliger

 

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