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01. November 2013

Begegnungen mit Bekannten und Unbekannten

Irgendwie kam es mir am vergangenen Freitagabend etwas fremd und ungewohnt vor, als ich meine Winterjacke aus der Plastikhülle nahm, um meinen ersten Nachtdienst als ehrenamtlicher Kältebusfahrer der Kältesaison 2013/2014 anzutreten. Nachmittags hatte ich noch bei herbstlichen Temperaturen im Garten Laub zusammengefegt und den Eichhörnchen beim Nüssesammeln zugeschaut – eigentlich war ich noch immer auf Spätsommer eingestellt, als ich am Abend zur Notübernachtung der Berliner Stadtmission aufbrach.

Der erste Abend, die erste Nacht der Saison ist immer etwas Besonderes und in diesem Jahr fiel die erste Fahrt zufällig auf meine Freitagnacht – ein Zufall, über den ich mich sehr gefreut habe. Genauso wie ich mich am ersten Abend freute, viele bekannte Gesichter jede Menge neue HelferInnen, KonfirmandInnen und KollegInnen zu treffen und Neuigkeiten auszutauschen.

Ein Auge auf die Menschen haben

Als Sophia, die ehrenamtliche Beifahrerin, die mit mir in dieser Saison in den Freitagsnächten unterwegs sein wird, und ich in die Nacht hinaus fuhren, hatten wir bereits wieder ein sehr vertrautes Gefühl, welches schnell mit jeder Begegnung in dieser Nacht wuchs. Die erste Begegnung hatten wir am U-Bahnhof Westhafen, als wir dem Hinweis einer besorgten Anruferin folgten, die von einer Frau berichtete, die mit vielen Tüten und Decken in der U-Bahnstation nächtigen würde. Wir fanden besagte Frau auch, die aber vehement jegliche Hilfsangebote ablehnte. Auch wenn wir in diesem Moment nichts für die Frau tun konnten, werden wir in den kommenden Wintermonaten regelmäßig nach ihr schauen – der Winter wird kalt werden!

Vom Westhafen fuhren wir Richtung Mitte, um in einem Park bei einem uns bekannten Paar vorbeizuschauen und zu sehen, wie sie den Sommer überstanden hatten. Kaum hatte ich den Kältebus geparkt, wurden wir von einem Passanten angesprochen, der verzweifelte Schreie aus einem nahen Gebüsch gehört hatte, sich aber nicht traute, alleine nachzuschauen – wovon auch abzuraten ist. Im Zweifelsfall ist immer die Polizei und Feuerwehr zu informieren und sich nicht in ungewisse Situationen zu begeben!

Unverstanden in Berlin

Im Gebüsch fanden wir einen hilflos am Boden liegenden Mann, der bis auf kleine Blessuren im Gesicht keine Verletzungen aufwies, aber auf Ansprache nicht reagierte. Deshalb informierten wir die Feuerwehr, die auch binnen kürzester Zeit eintraf. Gemeinsam mit den Sanitätern gelang es uns schnell, den Mann wieder auf seine Beine zu stellen. Offenbar hatte er lediglich ein kleines, alkoholseliges Schläfchen gemacht, da er nach seiner Entlassung aus der JVA am Morgen keinen Schlafplatz gefunden hatte.

Der Mann sprach kein Wort Deutsch, aber dank meiner Fremdsprachen-App konnte ich ihm erklären, wer wir waren und dass wir ihn in zu einer Notübernachtung fahren würden, wo er einen Schlafplatz und warmes Essen erhalten würde. Dankbar nahm der Mann unser Angebot an und wir fuhren ihn in die Notübernachtung der Berliner Stadtmission in der Johanniterstraße und übergaben ihn der Obhut unserer Kollegen von der Kältehilfe.

Mehr als nur warmer Tee

In dieser ersten Nacht der neuen Kältesaison begegneten wir bekannten und unbekannten Menschen, die alle etwas gemeinsam haben – sie leben auf der Straße, in U-Bahnhöfen, Parks, Parkbänken oder schlafen auf dem blanken Bürgersteig. Viele der Menschen, die wir trafen, sprachen zwar nicht unsere Sprache, spürten aber die menschliche Zuwendung und das Interesse, das ihnen entgegen gebracht wurde – das junge, polnische Paar, dem wir in einer Bank am Hackeschen Markt begegneten und die wir in die Notübernachtung in die Lehrter Straße fuhren, der junge Mann aus der Hofeinfahrt in der Heinrich-Heine Straße, ebenso wie der alten Mann auf dem Kurfürstendamm oder die beiden schweigsamen Kumpel in der Bushaltestelle, denen ich morgens um halb drei warmen Tee einschenkte.

Diese menschliche Zuwendung ist meiner Meinung nach das wertvollste Gut, das wir Berliner den Menschen, denen es offensichtlich und sichtbar nicht so gut geht, entgegenbringen können. Nicht nur nachts im Kältebus oder der Notübernachtung, sondern täglich auf der Straße, immer und überall – im Sommer, wie im Winter.

Dirk Trost, Kältebusfahrer

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