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25. Januar 2016

Wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen

Es gibt diese Tage, da liegt etwas in der Luft. Oder am Boden. Zahlreiche bunte Kabel zum Beispiel. Allein ihr Anblick und ihre Existenz bereiten mir schon jetzt Sorgen, beim Gedanken an all unsere teils nicht trittsicheren, teils torkelnden altbekannten Herrschaften vor der Tür. RadioFritz heißt heute unser erster Gast und er torkelt nicht.

Zielstrebig in geübten Handgriffen wird vorbereitet, installiert und arrangiert. Zwei Stunden, in denen manch' mutige Gäste ihr Herz, ihre Vergangenheit, ihr Leben offen legen werdenvielleicht Gehör bei genau denjenigen finden, die Tags zuvor noch an ihnen vorbeigelaufen sind.
Wie heißt es so schön? „Radio: geht ins Ohr, bleibt im Kopf.“
Wenn das so ist, ist es jedes einzelne Kabel wert.

Alles, was ich in 20 Jahren aufgebaut hab', hab' ich in den letzten drei Jahren verloren. Aber keiner hat mir die Flasche Jim Beam in den Mund gesteckt und hat gesagt: „Sauf!“. Ich hab sie selber aufgemacht und hab' mir das Glas selber vollgegossen, weißt du, und deswegen kann ich auch niemandem anders die Schuld dafür geben. Ich meine, das einzige, was ich jetzt machen kann, ist schauen, dass es irgendwie vorwärts geht.“

Er hatte Mut, eine Portion Glück und einen Menschen mit offenem Ohr und Herzen in der Leitung. Es sind nicht einmal 24h vergangen und Matz' Sachen sind gepackt. Unter der Basecap strahlen mir glückliche und stolze Augen entgegen und ein erleichtertes, scheinbar schwereloses Lachen, dessen Ansteckungsgefahr ich mich nicht entziehen kann und will. Scheiße, was gibt es Schöneres für die Seele, als die echte und ungefilterte Freude eines Menschen? Aus dem Bauch, dem Kopf, dem Herzen heraus.

Denn das Ende der Sendung ist ein Neuanfang für Matz. Not macht bekanntlich ja erfinderisch und warum sollte er nicht die Chance nutzen, sich breites Gehör zu verschaffen? Im Einverständnis mit Fritz durfte er einen Aufruf starten. Ob es denn unter den 300.000 Hörern nur einen einzigen Menschen gäbe, der eine Unterkunft wüsste für jemanden, der sich mit seiner Situation noch lange nicht abgefunden hat.

Bis 350 Euro kann ich mir leisten. Ich schaue halt, dass ich vorwärts komme. Aber man braucht irgendwo eine Basis, von der aus man starten kann. Und wenn man diese Basis nicht hat, ist es einfach schwer. Ich kann nicht arbeiten, wenn ich keine Wohnung habe. Und ich finde keine Wohnung, wenn ich keine Arbeit habe.“

Einer der klassischen Teufelskreise, den man aus eigener Kraft selten zu durchbrechen vermag. Um das zu schaffen, braucht es meistens ein, zwei helfende Hände- oder eben ein helfendes Ohr.

Zum Frühstück gibt es diesen Morgen nicht nur Kaffee, sondern ein Zuhause im Angebot. Drei Zimmer. Nicht in Berlin, aber in Brandenburg seien sie. Ziemlich im Grünen, praktisch dort wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, falls er sich das vorstellen könne. Und wie! Genau das Richtige, um sich wieder zu sammeln und Ordnung ins Leben zu bringen. Um in Ruhe neue Ziele zu stecken fernab des Großstadttheaters, fernab der Straße. Um wieder anzukommen.

Ich drück dir die Daumen,
machs gut!

Comic aus der Notübernachtung

 

Lissy Kraft
Mitarbeiterin der Notübernachtung Lehrter Straße