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27. November 2015

Ein Stück Menschlichkeit

Ich könnte jetzt ganz plump und oberflächlich aufzählen, was für abendliche Aufgaben in unserer Notübernachtung Lehrterstraße anfallen. Ich kann sagen, dass ich Leute nach Waffen, Drogen und Alkohol durchsuche, Gepäck in ein Regal einsortiere, einen Teller Suppe nach dem anderen bereitstelle, Menschen vom einen Haus ins andere bringe oder Shampoo austeile. Das könnte ich sagen.

Aber das ist es nicht, was ich sagen will, nein, denn die eben aufgezählten Aufgaben sind nicht der Grund, warum ich kurz nach Mitternacht, bei Schichtende mit einem Lächeln auf den Lippen und einem erfüllten Herz in den Nachthimmel blicke und eine seltsam unbekannte und doch vertraute Dankbarkeit in mir aufsteigen fühle. Ich fühle mich lebendig und am richtigen Ort. Ich bin glücklich.

Es ist ein Gefühl, das sich zusammensetzt aus ganz vielen Facetten aller Farben. Es ist die Vielfalt der Menschen, die zu uns kommen und die meinen Horizont immer wieder erweitern. Menschen, die offensichtlich Hilfe brauchen, aber auch Menschen, die richtig schick kommen, nicht als wohnungslos erkannt werden wollen, Menschen aller Nationen, Frauen und Männer, von den noch ganz Jungen zu den Senioren, von Menschen, die hier ganz neu sind und denen, die die Straße in Berlin seit Jahren kennen. Es sind alles Menschen auf der Durchreise, die bei uns ankommen können und durchatmen. Aus Einzelgängern wird plötzlich eine Gruppe. Gemeinschaft entsteht.

Es ist ein Strudel aus Gefühlen, den jeder Einzelne unser Gäste mitbringt und der bei mir ebenso viele Gefühle auslöst in Gesprächen. Manchmal ist es Mitgefühl und auch pure Fassungslosigkeit angesichts mancher Schicksalsschläge, manchmal ist es einfach ein lockerer Small Talk, manchmal ist es einfach ein Zuhören, wieder ein anderes Mal ist es eher ein Erzählen, es ist ein witziges oder spannendes Gespräch. Was auch immer es sein mag, es ist eine Bereicherung. Neue Ideen, neue Ansichten und ein Lächeln treten bei mir ein und äußerliche Aspekte wie Wohlstand, Aussehen und Ansehen treten in absolute Vergessenheit. Ich kann und ich will unseren Gästen in die Augen gucken und ihnen zuhören, anstatt an ihnen vorbeizugucken. Ich will unseren Gästen ein Stück Würde geben, in dem ich sie als Mensch wie jeden ansehe. Ein Stück Menschlichkeit.

Ein Stück Leben

All diese Begegnungen sind wertvoll, jedes Lächeln, das auf ein Gesicht gezaubert wird, jedes offene Ohr, jedes Gespräch, jeder Blickkontakt ist wie ein Tropfen in einem See, der seine Kreise zieht. Nur, dass es kein Tropfen in einem See ist, sondern ein Funke Hoffnung, der in einem verletzten und oft sehr einsamen Herzen entsteht und sich ausbreiten kann. Ein Stück Leben.

Ich würde sagen, dass es genau diese Mischung ist, Gemeinschaft, Menschlichkeit und Lebendigkeit, die in mir dieses schöne Gefühl auslöst, ganz sicher ist es aber die Liebe unseres Vaters, die nicht nur für jeden unserer Gäste, sondern für uns alle existiert und in unserer Notübernachtung ein Gefühl von Zuhause, Ruhe, Ankommen und Hoffnung schafft.

Jaqueline Metz
FSJlerin der Berliner Stadtmission

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