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"In letzter Not" - 04.12.2020

Oliver Stemmann vor dem Kältebus

"In letzter Not" - 04.12.2020

Es gibt Erlebnisse, da weißt Du aber haargenau, warum Du diesen Dienst tust und liebst. Es ist diese eine Begebenheit in einer Nacht, wo Du genau weißt, Du und das Team bewegen etwas und können manchmal sogar Leben retten. Davon will ich berichten.

Wie freitags fast immer waren Sophia und ich im Kältebus unterwegs. Heute begleitete uns unser langjähriger Freund Denis Gesella. Denis war extra für den Kältebus für ein paar Tage aus Westdeutschland angereist.

Wir wurden irgendwann nach Mitternacht in die Invalidenstraße gerufen. Ein Mann sollte auf dem blanken Boden liegen, ohne Schlafsack, Decke oder sonst irgendwas. Das klang dringend: wir also dahin, es dauerte nicht lange und er war gefunden.

Er war in einem wahrlich erbärmlichen Zustand: er lag tatsächlich ohne irgendeinen Schutz einfach auf dem Gehsteig, zwei Gehhilfen (Krücken) neben ihm, das eine Bein geschient bis zum Knie, der linke Arm in Gips, der Gipsverband war von Blut rot gefärbt. Unter seiner Winterjacke trug er einen Hoodie, er hatte sich in die Kopfmütze des Hoodie übergeben, das Gesicht war vom Erbrochenen verschmiert, Kommentar Denis: „Oh, heute gab’s Borschtsch!“

Er regte sich nicht, war zunächst nicht ansprechbar. Denis und ich rüttelten ihn wach, Sophia fixierte ihn Auge in Auge: „Du kannst hier nicht liegen bleiben, Du erfrierst hier, wir nehmen Dich jetzt mit dem Kältebus mit!“. Kaum Reaktion. Denis und ich hakten ihn rechts und links unter, brachten diesen Hünen mühsam in die Senkrechte, was er mit Gebrüll und schmerzverzerrtem Gesicht quittierte. Sophia blickte ihm weiter in die Augen und bedeutete ihm, dass wir zum Wagen gehen. „Gib mir ein Messer!“, „Was?“, „Gib mir ein Messer!!“ „Wozu willst Du jetzt ein Messer?“, er machte nur eine typische Handbewegung und durchschnitt sich symbolisch die Kehle. „Du bleibst jetzt bei uns! Wir bringen Dich ins Warme!“ entgegnete Sophia. Eine gefühlte halbe Stunde später hatten wir ihn unter Schmerzenslauten endlich in den Bus auf dem Sitz platziert. Denis: „Jetzt aber Vollgas, Olli!“

Zur Notübernachtung war es nicht weit. Nun hatten wir das nächste Problem: Wo soll er hin? In seinem Zustand noch dazu mit den Krücken, dem geschienten Bein würde er es die Treppe hinunter nicht schaffen. Wir besprachen uns mit dem Nachtverantwortlichen. Zum Glück war das einzige, ebenerdig zugängige Zimmer nicht belegt. Wir setzten ihn dort erst einmal auf einen Stuhl, rasch wurde ein Feldbett aufgebaut, langsam zogen wir ihm die Jacken aus. So konnten wir alle ihn auf eine überfällige Dusche vorbereiten.

Als alles getan war und wir unseren Weg in dieser Nacht fortsetzten klatschten Sophia, Denis und ich uns erst mal ab: „give me five“ das war jetzt wirklich wichtig!

-Oliver Stemmann