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Ende des Kirchenjahrs

Ende des Kirchenjahrs –aber keine Weltuntergangsstimmung!

„Volkstrauertag“, „Buß- und Bettag“, und – noch schlimmer – „Totensonntag“… Ist der November nicht eh schon dunkel genug? Warum denn noch so depressive kirchliche Feiertage? Und überhaupt: Wieso Ende des Kirchenjahres? Ist das nicht an Silvester?

Um mit der letzten Frage anzufangen. Nein: Das neue Kirchenjahr beginnt schon mit dem 1. Advent, nicht erst Neujahr. Warum, erklär ich in den nächsten Denkanstößen.

Aber die Feiertage zum Kirchenjahresende sind auch keineswegs depressiv, sie sind ehrlich. Es geht nämlich darum, sich mit Grundfragen des Lebens zu beschäftigen. Grundfragen, vor denen wir alle einmal stehen. Und dann ist es ziemlich hilfreich, wenn man nicht unvorbereitet und ahnungslos hineinstolpert, sondern immer wieder einmal darüber nachdenkt, zum Beispiel jährlich in den letzten beiden Novemberwochen:

Der Volkstrauertag wurde ursprünglich mal staatlich verordnet als Gedenktag der gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Aber längst ist der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr (15.11.2015) zum Beginn der ökumenischen Friedensdekade geworden, die seit 1980 in der BRD und der DDR („Schwerter zu Pflugscharen“) gestaltet wurde. Welche verheerenden Auswirkungen Krieg und Terror haben, erleben wir plötzlich wieder hautnah und schockierend. Von der biblischen Botschaft und Friedensforschern lernen wir, dass wir uns vom Hass nicht anstecken lassen dürfen, weil Hass nur mit Liebe überwunden wird.

Buß- und Bettag (Mittwoch,18.11.2015). Ein Tag, an dem es um die Frage geht an welchen Stellen es in unserem Leben gute Gründe gibt umzukehren, statt weiter in die falsche Richtung zu stolpern. Aber weil solche Umkehr (nichts anderes bedeutet „Buße“ im christlichen Sinn) aus eigener Kraft extrem schwierig ist, gehört das Gebet untrennbar dazu: Christus, erbarme dich über uns und deine Welt.

Totensonntag. Der kommende Sonntag (22.11.2015) ist eben der letzte im Kirchenjahr. Dabei wird in der Evangelischen Kirche besonders an die im zurückliegenden Kirchenjahr verstorbenen Familienangehörigen gedacht, ihre Namen im Gottesdienst vorgelesen, Kerzen angezündet. Für Angehörige ist das oft nochmal ein ganz wichtiger Tag in ihrem Trauerweg. Aber dieser Sonntag trägt zugleich den Namen „Ewigkeitssonntag“, damit wir, wie Paulus sagt, „nicht traurig sind wie die, die keine Hoffnung haben.“ Traurig schon, aber zugleich so, dass sich in den Tränen schon das Licht der Hoffnung auf Gottes neue Welt spiegelt, in der es kein Leid, kein Geschrei, keinen Schmerz und keinen Tod mehr geben wird. – Kaum vorstellbar? Ja, das geht mir auch nicht anders. Aber einer ist zurückgekommen: Jesus, nicht reanimiert, sondern aus einer ganz anderen Dimension. Um uns Mut zu geben für Welt hier und jetzt– und Hoffnung weit darüber hinaus. Genau deshalb endet das Kirchenjahr nicht mit Weltuntergangsstimmung, sondern mit unverwüstlicher Zuversicht.

Und genau das wünsche ich Ihnen in diesen dunklen Novembertagen

Ihr Gerold Vorländer