Spenden-Button
Button Mission
Button Gästehäuser
Mit Link unterlegter Newsletter-Button

Ostern

– kein Spaziergang!

Blick von einem Berg ins Tal

Na, haben Sie auch das herrliche Wetter an Ostern für einen Spaziergang genutzt? Als ich am Sonntag früh auf dem Weg zum Ostergottesdienst in der St. Lukas Kirche in Kreuzberg war, brummte es auf und um den Potsdamerplatz jedenfalls nur so vor Touristen. „Buntes Gewimmel“, wie es in dem berühmten Gedicht aus Goethes Faust I. heißt:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend,
nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grüne Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn…

Grundlegender Epochenwechsel

Das ursprüngliche Ereignis, an das Ostern erinnert, war aber alles andere als ein Spaziergang. Die „Auferstehung des Herrn“ war und ist ein so grundlegender Epochenwechsel, wie es keinen anderen innerhalb der Weltgeschichte je gegeben hat noch geben wird. Bis zur Auferstehung Jesu, eines zu Tode gefolterten Menschen, war der Tod das Maß aller Dinge. Ohne Kenntnis dieses Zeit und Raum sprengenden Ereignisses müssten wir auch weiterhin an den Tod als letzte Instanz und letzte Wirklichkeit glauben. An wie vielen Stellen ist unsere Zeitgeschichte davon geprägt, dass die Angst vor dem Tod als grausames Machtmittel eingesetzt wird.

Aber mit der Auferweckung des Gekreuzigten hat Gott „dem Tod die Macht genommen“, wie das Neue Testament sagt. Das heißt: Zwar kann der Tod immer noch Leben beenden und Menschen auseinander reißen. Aber das alles nicht mehr endgültig. Mit dem Weg Jesu durch die Nacht des Todes hindurch ist ein Durchbruch geschaffen in eine neue, unbegreifliche Dimension, auf die der Tod keinen Zugriff mehr hat. Der Tod ist nicht mehr ganz dicht. Sein Netz hat ein riesiges Loch. Insofern sind der Tod und seine Handlanger seit Ostern in einem längst verlorenen Rückzugsgefecht. So kann man Goethes Naturbeschreibung des „alten Winters“ auch symbolisch auf den Tod und die Kraft der Frühlingssonne auf Christus deuten: Wenn der Tod in seiner Schwäche fliehend nur noch ohnmächtige Schauern in Streifen über die Flur jagt, wenn die Sonne der Liebe Gottes nichts anders mehr duldet als Nachwehen - und wir das begreifen, dann bekommt auch unsere Osterfeier wieder eine unglaubliche Sprengkraft. Eine hochpolitische. Wir lernen, den Herren des Todes ins Gesicht zu lachen: Nicht mit uns! Uns jagt ihr keinen Schrecken ein! Auf unser ängstliches Kuschen könnt ihr nicht zählen! Wie pfeifen auf euch: Osterlieder. Denn Christus ist auferstanden und hat dem Tode die Macht genommen.

Aus gutem Grund endet die Osterzeit im Kirchenjahr nicht am Ostermontag, sondern geht bis Pfingsten. Sieben Wochen, um das Osterlachen und –pfeifen und -widerstehen einzuüben:
Fegt die Angst aus den Herzen. / Lacht dunklen Mächten ins Gesicht.
Widersteht den Herren von gestern. / Wagt schon heute das Leben von morgen.
(Johannes Hansen)

Ihr

Gerold Vorländer