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Reformationsfest

Gegen das Geschäft mit der Angst - Reformationsfest!

„Süßes – sonst gibt’s Saures!“ fordern Kinder und Jugendliche, die sich zum Teil grauslich verkleidet als Botschafter von Halloween am 31.10. auf den Weg machen. Auf Fehlverhalten folgt Strafe! Natürlich werden sie keine Ahnung haben, in welchem weiten Zusammenhang ihre frech-fröhliche Aktion steht.

Das moderne Halloween wurde (wie der Weihnachtsmann) als Marketing-Strategie in den USA erfunden. Es knüpft – oberflächlich betrachtet nur ganz spielerisch – an tiefe menschliche Ängste an und macht daraus ein Geschäft. Ursprünglich war Halloween das Fest der heidnischen Kelten vor Wintereinbruch, in dem die Angst vor den tödlichen Mächten des Winter bekämpft wurde: Ein Privileg der Druiden, wofür sie geehrt – und bezahlt wurden. Geschäft mit der Angst. Die keltischen Christen stellten dann im 5. Jahrhundert - mit Jesus als dem Befreier von heidnischer Angst - Halloween auf den Kopf: Uns umgeben nicht bedrohliche Mächte, sondern die „Wolke der Zeugen“, d.h. vor uns gestorbene Christen, die frei von Angst in der Nachfolge Jesu gelebt hatten, und uns ermutigen(Hebräer 12,1). So wurde aus Halloween: „Allerheiligen“, das die katholische Kirche bis heute am 1.November feiert.

Allein seine Gnade rettet uns vor der Angst

Ich weiß nicht, ob Martin Luther bewusst auf diesem Hintergrund den 31.10. wählte, um seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel zu veröffentlichen. In jenem Jahr 1517 hatte er selbst noch keine Ahnung, dass er einmal eine tiefgreifende Veränderung der weltweiten kirchlichen Landschaft und Christenheit herbeiführen würde. Zunächst hatte er nur dieses eine Anliegen: Gegen das Geschäft mit der Angst zu protestieren. Das hatte nämlich die römische Kirche inzwischen perfektioniert, um damit die eigene Macht, den eigenen Glanz und Reichtum auszubauen. Der „Ablasshandel“ von Johannes Tetzel war perfektes Marketing: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt“. Finanziert wurde damit der Petersdom in Rom! Martin Luther empörte sich zu Recht: Solche Geschäfte widersprechen zutiefst dem befreienden Evangelium von Jesus Christus! Allein seine Gnade rettet uns vor der Angst. Er hat längst bezahlt; sein Leben gegen die zerstörenden Mächte in die Waagschale geworfen. Gott fordert nicht. Er schenkt!
Und weil viele einfache Menschen damals die befreiende Botschaft sehr schnell begriffen, ging Tetzels Geschäft rapide den Bach runter.

Am Samstag ist wieder der 31. Oktober, also Reformationsfest. Eine gute Gelegenheit, uns zu fragen, wo heute wieder gnadenlose Geschäfte mit der Angst gemacht werden: nicht nur in Marketingstrategien oder Höllenpredigten, sondern auch als angebliche Stimme besorgter Bürger - auf dem Rücken von Menschen, die fliehen mussten, um ihr Leben zu retten.

Für Christen darf es jedenfalls keinen Zweifel daran geben, dass Geschäfte mit der Angst dem Geist Jesu Christi widersprechen. Deshalb: Wo wir solchen Geschäften begegnen, sind wir herausgefordert, ganz neu zu „Protestanten“ zu werden.

Ihr Gerold Vorländer