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Trinitatis

„Geheimtipp“ Trinitatis-Sonntag – Beziehungsreichtum feiern

Den Festsonntag, der jetzt im Kirchenjahr ansteht, kennen nur Insider. Und von denen werden die allermeisten auch nicht erklären können, was da eigentlich gefeiert wird. Dabei ist es ein wunderschöner Kerngedanke des christlichen Glaubens. Es handelt sich also um einen echten „Geheimtipp“, der aber gar nicht geheim bleiben möchte. Oder auch um ein Geheimnis, das um so lebendiger wird, je mehr sich daran freuen.

Es gibt ja zwei Sorten von Geheimnissen:
a) die „erzähl-das-bloß-keinem-anderen“-Geheimnisse, hinter denen sich in aller Regel die Vertuschung von Schuld verbirgt, bis hin zu sexuellem Missbrauch von Kindern.
b) die „ich-werde-sprachlos-vor-Staunen“-Geheimnisse, bei denen unser Verstand an seine Grenzen stößt, aber unser Herz unendlich geweitet wird.

 Im Sinne von b) wird am Sonntag nach Pfingsten (also übermorgen, dem Sonntag „Trinitatis“ oder „Dreieinigkeit“) das Geheimnis von Gottes beziehungsreichem Wesen gefeiert: Muslime sagen gelegentlich:

 „Ihr Christen glaubt doch an drei Götter, oder?“ Dabei denken sie an Gott, den Vater, und Gott, den Sohn, und Gott, den Heiligen Geist. Aber hier liegt ein grundlegendes Missverständnis vor, das leider viele Christen auch nicht wirklich aufklären können. Richtig ist vielmehr: Christen glauben an einen einzigen Gott! Aber dieser Gott ist lebendig und vielgestaltig. Gott ist in sich selbst schon beziehungsreich und kein bisschen einsam. Er ist keine Einzelperson, wie wir das als einzelne Menschen wären. Und hier stoßen unsere Denkmöglichkeiten und unsere Beschreibungen an ihre Grenze und berühren das Geheimnis Gottes.

Aber dann sagt Gott im ersten Schöpfungsbericht: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen schaffen, ein Gegenüber, uns ähnlich.“ (Die Bibel, Genesis 1,26). Das heißt: er hat uns Menschen von Anfang an als Beziehungswesen gedacht, die mit ihm Gemeinschaft haben sollen und dürfen. Ja, er will uns in seinen eigenen lebendigen Beziehungsreichtum hineinholen.

Und dann erzählt die Bibel im Alten und Neuen Testament, wie Menschen Gott begegnen als einem lebendigen Beziehungswesen: Gott ist Ursprung und Quelle unseres Lebens, uns zugewandt (Vater). Gott ist mitten in unsere Welt gekommen, um Frieden zu stiften und zum Leben zu befreien (Sohn, Jesus von Nazareth). Und Gott verschenkt sich permanent an seine Schöpfung - als Energie, die den Kosmos durchdringt, und als „Gott-in-uns“, der uns verändert (Schöpfer Geist, Heiliger Geist). Es ist der eine lebendige, beziehungsreiche Gott, der auf unterschiedliche Weise zu uns in Beziehung tritt und Beziehungsräume öffnet.

Was für ein schönes Geheimnis, zum Staunen, Freuen, Danken! Dazu ist der Dreieinigkeits- oder Trinitatis-Sonntag ins Kirchenjahr aufgenommen worden. Und ihm folgen noch (je nach dem wann Ostern war) bis zu 24 „Sonntage nach Trinitatis“: Zeit um immer tiefer in dieses Geheimnis einzudringen und den eigenen Platz in diesem Beziehungsreichtum zu finden.

Ihr Gerold Vorländer